Projekt
„Europe Voice III“
Ein sprachloser Kantor mit seinem abgehobenen Chor und was sonst noch geschah
Einige fotografische Impressionen
unseres Besuches ...
Von Dieter Koch
Anlässlich der im Mai 2002 in Magdeburg durchgeführten Europäischen Chornacht besuchten italienische Sängerinnen und Sänger des „Coro polifonico de Palestrina“ auf Einladung der Biederitzer Kantorei Magdeburg und Umgebung. Der italienische Chor gab ein viel beachtetes und gut besuchtes Konzert in der Petri-Kirche Magdeburg. Die Chornacht, die unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt stand, fand große überregionale Beachtung. Hochrangige Vertreter von Stadt und Gemeinde würdigten diese Aktion als weiteren bedeutenden Schritt zur europäischen Einigung.
Der im Mai durch den Coro polifonico de Palestrina ausgesprochenen Einladung zu einem Gegenbesuch in Palestrina, unweit von Rom gelegen und Geburtsort des Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina, wurde, nichtzuletzt durch die vom Land Sachsen-Anhalt bewilligte Förderung, im Zeitraum vom 24. bis 28. Oktober 2002 entsprochen.
Mit Bus und Flugzeug starteten 39 Sängerinnen und Sänger der Biederitzer Kantorei am 24.10.02 in den Süden, wo sie am späten Nachmittag von Vertretern des Chores und der Stadt Palestrina willkommen geheißen wurden.
Die folgenden Tage waren ausgefüllt mit Besuchen der „ewigen“ Stadt Rom – bei herrlichem Wetter für viele eine erste Begegnung mit den Sehenswürdigkeiten der antiken Stadt -, dem Kennenlernen der Geschichte von Palestrina und vielen Begegnungen mit Chormitgliedern und Vertretern der Stadt, die das gegenseitige Verstehen förderten.
Im Rahmen der internationalen Chorfesttage in Palestrina gab die Biederitzer Kantorei zwei viel beachtete Konzerte – am 25.10.02 in der Aula magna der Universität Rom und am 27.10.02 in der Basilica Cattedrale von Palestrina.
Auf dem Programm standen neben einer Komposition von G. P. da Palestrina Chorwerke der Bach-Familie, Pachelbel, Gallus und Telemann, also von aus unserer Region stammenden Komponisten. Am 26.10.02 war die Kantorei darüber hinaus Besucher eines Konzertes in der Chiesa S. Lucia von Palestrina. Es musizierte das Ensemble Concerto Romanico Werke des im 17. Jhd. lebenden Komponisten Francesco Foggia.
Bei allen Konzerten kam es wiederholt zu Begegnungen mit anderen Chören und offiziellen Vertretern von Stadt und Kirchen. Die Biederitzer Kantorei verstand sich dabei immer als Botschafter des Musiklandes Sachsen-Anhalt und warb so für unsere Region. Gleichzeitig trug sie im Sinne der Förderung nicht unerheblich zur Vertiefung des europäischen Gedankens bei.
Am Montag, 28.10.02, wurde nach drei erlebnisreichen Tagen des Aufenthalts in Palestrina die Rückreise angetreten mit der Hoffnung, dass mit weiteren Begegnungen dieser Art der völkerverbindende Gedanke der Musik mit Leben erfüllt werden kann.
Von Astrid Koch
Donnerstagmorgen, 24.10.02, die Sonne kann sich nicht entschließen uns einen Morgengruß zuzusenden. Macht nichts, immer wenn Mitglieder der Kantorei einander treffen, ist gute Laune garantiert. So auch an diesem Tag.
Der Bus sammelt alle Teilnehmer der Italienfahrt ein, dreht für den letzten noch eine Ehrenrunde und los geht die Fahrt. Fröhliches Lachen und Erzählen läßt die Zeit schnell vergehen. Schon bald sind wir in Berlin-Tegel. Mit der üblichen, zeitaufwändigen Gründlichkeit werden wir auf dem Flughafen kontrolliert. Nicht ärgern, schließlich dient dies alles unserer Sicherheit. Endlich sitzen wir angeschnallt auf unseren Plätzen im großen stählernen Vogel. Er rollt, wird schneller und schneller und hebt ab. Ein Gleiten durch die Luft beginnt. Er schraubt sich höher und höher. Wolkenfetzen fliegen vorbei. Die Maschine rüttelt und schüttert. Dann ein Aufblitzen. Wir haben die Wolkendecke durchstoßen und fliegen in strahlendem Licht gen Süden.
In Rom werden wir schon erwartet. Es gibt stürmische Begrüßungen mit einigen Mitgliedern unseres Partnerchores, die uns vom Flughafen abholen. Mit dem Bus fahren wir an Rom vorbei nach Palestrina. Das ist ein altehrwürdiger Ort ca. vierzig km östlich von Rom auf einem Berg gelegen. Leider ist es bei unserer Ankunft schon dunkel, so daß wir am Ankunftstag noch nicht viel erkennen können.
Vor uns liegt ein ganzes Wochenende Italien. Wir werden verwöhnt vom Wetter, von der Landschaft und von unserem Partnerchor, dem: Coro Polifonico ‚Citta del Palestrina‘.
Am Freitag und Sonnabend fährt uns ein Bus morgens nach Rom, wo wir mit einer reizenden Reiseführerin, Schwester eines Chormitgliedes von uns und seit über 20 Jahren in Rom und Palestrina ansässig, eine Führung durch das Forum Romanum und das Kolosseum machen können. Wer möchte, streift indessen privat durch die „ewige Stadt“, sieht sich die Piazza Navone, den Trevibrunnen, das Capitol oder den Quirinalspalast an. Unbedingtes Ziel ist natürlich der Petersdom, ein in Ausmaßen und Ausstattung überwältigendes Bauwerk. Ganz Mutige wagen sich auf die Kuppel des Domes und erleben von dort einen einzigartigen Rundblick über Rom, den Petersplatz und die vatikanischen Gärten.
Am Sonntag zeigt uns Katharina, unsere Reiseleiterin, die Besonderheiten von Palestrina. Höhepunkte sind das Geburtshaus von Giovanni Pierluigi da Palestrina, dem großen Komponisten der Stadt und der Fortunatempel aus ägyptischer Zeit, der sich terassenförmig den Berg empor zieht. Im oberen Bereich wurde später in und auf den Tempel der Barberinipalast gebaut.
Nun ist die Biederitzer Kantorei aber nicht nur der Sehenswürdigkeiten, sondern wegen der dort stattfindenden Chorfesttage nach Palestrina gereist. Am Freitagabend hat sie einen Auftritt in der Aula magna der Universität von Rom, am Sonnabend hört sie ein Konzert in der Kirche S. Lucia von Palestrina und am Sonntag ist sie wieder selbst in der Kathedrale dieser Stadt aktiv.
Nach jedem Konzert gibt es noch ein fröhliches Beisammensein mit unseren Gastgebern, die uns dabei auch kulinarisch verwöhnen. Laut, lustig und ‚feucht‘ verbringen wir die späten Abende. Es erweist sich wieder mannigfaltig – Musik (ver)bindet!
Sind es die vielfältigen Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse oder liegt es vielleicht doch nur an den Klimaanlagen in Flugzeug und Bus, unserem Kantor hat es buchstäblich die Sprache verschlagen! Am letzten Tag kann er sich nur noch durch Gestik und Pfeifen verständlich machen, bestenfalls ist ein gehauchtes Flüstern zu vernehmen. Er trägt es mit Fassung und Humor, liegen doch die Konzerte, bei denen er seine Stimme zum Tonangeben benötigte, hinter uns.
Letzte Umarmungen, letzte Aufregungen wegen vergessener Papiere und verlorener Flugtickets, dann steigen wir wieder in die Lüfte. Noch einmal hebt die Kantorei ab. Es ist Montag, der 28.10.02.