| Aus einer langjährigen Freundschaft zwischen unserem ehemaligen
Biederitzer Pfarrer Dr. h.c. Karl Scholl und dem Steffisburger Pfarrer
i.R. Oskar Leuenberger entsprang die schöne Idee der Kontaktaufnahme
der Biederitzer Kantorei zu dem Kirchenchor Steffisburg in der Schweiz.
Nach der ersten Schweizreise 1994 war ein großer Teil des
Chores in diesem Jahr bereits zum 4. Mal bei seinen Steffisburger
Sangesfreunden zu Besuch. Durch Gesang und fröhliche Ausgelassenheit
wurde die ca. zwölfstündige Busfahrt kaum als Strapaze empfunden.
Die wieder sehr herzliche Aufnahme durch die Gastgeberfamilien
machte deutlich, wie sehr sich - über die Grenzen hinweg - zwischen
vielen Familien seit der ersten Begegnung bis heute eine überaus
innige Freundschaft entwickelt hat. Auch diesmal hatten unsere Steffisburger
alles wieder akribisch vorbereitet, um uns den Aufenthalt so abwechslungsreich,
interessant und angenehm wie möglich zu gestalten
Nach dem ausgiebigen Frühstück bei den Gastgeberfamilien war
der erste Aufenthaltstag ausgefüllt mit einer Ausfahrt durch die
liebliche Schweizer Landschaft zu einem Papiliorama, mit Hunderten
bunter, tropischer Schmetterlingen im blühenden Tropengarten und
einem Nocturama mit der nachtaktiven Fauna der Tropenwälder Amerikas.
Danach erlebten wir einen Nachmittag rund um den Bauernhof
bei einem Bio-Bauern: Mit einem Apero (Mittagsbuffet)
in einer großen Scheune, mit lustiger Begebenheit im Kuhstall ("Aber
Eberhard!"- Dabei hieß die Kuh gar nicht so!), mit der Vorführung
einer familieneigenen Wassermühle, einer Kremserfahrt durch Oberwil
zu einer Schnapsbrennerei, wo nach der Besichtigung und Erläuterung
die verschiedenen Obstler und Liköre verkostet und gekauft werden
konnten.
Den Abend verbrachten alle wieder in fröhlicher Runde im Kreise
der Familien, bei Bier, Rot- oder Weißwein und zumeist typischen
Schweizer Gerichten, wie Käsefondue, Rösti, Raclette oder Polenta
und anderen Köstlichkeiten.
In den meisten Schweizer Familien wird gesungen und musiziert.
So wurden, z.B. bei Alice und Karl Stump die Gäste jeden Morgen
durch ein fröhliches Ständchen auf Bass- und Sopranflöte geweckt
und an den liebevoll gedeckten Frühstückstisch gebeten.
Der zweite Aufenthaltstag wurde individuell von den Gastgebern
gestaltet: Von Schiffsfahrten auf dem Thuner See, Besichtigung der
malerischen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt der Eidgenossenschaft
Bern oder der Stadt Thun, "Besteigung" des Niesen,
bis zu Fahrten ins Lötschental im Wallis und v. m. reichte die Palette
der eindrucksvollen Unternehmungen.
Einige Steffisburger und Biederitzer Chormitglieder nutzten das
Ausflugsangebot mit dem Bus zum Belpberg und einer kurzen Wanderung
zum Chutzen, einem Aussichtspunkt mit prächtiger Rundsicht
ins Aaretal, auf die schneebedeckte Stockhornkette und zum Niesen,
auf den Thuner See und die Eisriesen der Berner Alpen:
Eiger, Mönch und Jungfrau, die an diesem Tage leider nur schemenhaft
hinter den Wolken hervorlugten. Als Ausgleich für die minder gute
Sicht gab es zum Z'Vieri (Nachmittagskaffee) in der
nahegelegenen Gaststätte für jeden ein großes Stück Erdbeertorte.
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Nach einer gemeinsamen Singprobe für den sonntäglichen Gottesdienst
wurde am Abend bei Speis und Trank geschwatzt, gescherzt
und gesungen. Zum Zwecke des gemeinsamen Singens hatten zwei Schweizer
Freunde, Elisabeth Schüle und Walter Strasser, eigens ein Liederbüchlein
mit 44 deutschen und Schweizer Volksliedern zusammengestellt und
für jeden Sänger vervielfältigt, so dass von vielen Liedern nun
auch die zweite oder sogar die dritte Strophe gesungen werden konnte.
Ein Höhepunkt des Abends war wieder einmal der Gesang des Steffisburger
Männerchores mit dem Emmentaler-Hit "I bin
nen Aemmitaler, i bin ne Bueb vom Trueb".
Für einen zweiten Höhepunkt hatte Karl Stump insgeheim einen
Alphornbläser eingeladen, so dass auch die Biederitzer dieses typische
Schweizer Instrument live vorgeführt bekamen, und einige sich selbst,
mit mehr oder weniger gutem Erfolg, auf diesem Instrument versuchen
durften (sehr bravorös z. B. Sängerin Ines Neuschulz und unser Kantor Michael Scholl!).
Es ist auch in der Schweiz eher ungewöhnlich, dass in einem Gottesdienst
mit Taufe und Konfirmation geklatscht wird. Sicher als Geste der
Dankbarkeit für langjährige innige Freundschaft und Verbundenheit
wurden die Darbietungen des Chores mit spontanem Beifall bedacht.
Danach hieß es Abschied nehmen, was sich, nach einem üppigen
Mahl und überaus leckerem Kuchen und Süßspeisen, wie immer mit Gesang
und herzlichen Umarmungen zu einer bewegenden Abschiedszeremonie
gestaltete.
So Gott will, gibt es zu Himmelfahrt 2007 ein erneutes Wiedersehen
mit unseren Steffisburgern in Biederitz.
Peter Schild, Mai 2005
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