Liane Bornholdt
Magdeburg. Die Biederitzer Kantorei und das Weimarer Barockensemble unter der musikalischen Leitung von Michael Scholl haben "Die gekreuzigte Liebe" nach eine quellenkritischen Neufassung der Partitur durch Carsten Lange vom Telemann-Forschungszentrum jetzt erstmals nach 270 Jahren in Deutschland wieder aufgeführt.
Die Musiker des Barockorchesters hatten große Aufgaben zu bewältigen, da Telemann für die emotionsreichen Arien jeweils besondere charakterisierende Besetzungen vorschreibt, etwa zwei Oboi damore zum Text "Aus Liebe lag ich in der Krippen". Auch die Streichergruppe hat mit viel charakterisierendem Ausdruck zu spielen.
Anders als in den Passionen nach dem Bibeltext treten im Passionsoratorium Allegorien auf, die das Passionsgeschehen moralisch und emotional kommentieren und zusammenfassen. Hier hatten die "Andächtige Seele" und die "Gläubige Seele", Mechthild Stephan (Mezzosopran) und Friederike Holzhausen (Sopran), diese Aufgaben. Beide erfüllten sie mit viel Gefühl und, insbesondere Mechthild Stephan, mit ausdrucksstarker wandlungsfähiger Stimme.
Ein zweiter Sopran, Susanne Gorzny als Maria Magdalena, antwortet auf die Verspottung Jesu durch den Chor der Juden mit der Arie "Seht welch ein Mensch" mit klarer, ja optimistischer Ausstrahlung. Unter den Männerstimmen ist besonders Jörg Schneider (Bass) in der Partie des Jesus hervorzuheben. Die Biederitzer Kantorei sang die ganz unterschiedlichen Chöre alle wunderbar überzeugend, mit ironisch-wildem Ton etwa den Chor der Kriegsknechte oder den Spottchor der Juden, am schönsten aber mit großer Klage und Innbrunst den Chor der Weiber von Jerusalem "Ach Golgatha!"
Sehr schön, wie Michael Scholl mit Sängern und Musikern das emotionsreiche Werk in packender Dramatik und großen Gefühlen zum Klingen brachte. Der überaus herzliche Beifall galt der Neuentdeckung des Werkes genauso wie der sehr gelungenen Interpretation.
Anmerkung:
Das Werk liegt inzwischen auf einer Doppel-CD vor.