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Magdeburger  Volksstimme vom 28.11.2001

Wunderbare Chormusik

Entdeckung mit der Biederitzer Kantorei

Biederitzer Kantorei und Kammerchor unter Leitung von Michael Scholl sangen am Sonnabend selten zu hörende Werke romantischer geistlicher Chormusik. Mit ihrem Auftritt in der Magdeburger Konzerthalle beendete das Ensemble seinen diesjährigen Biederitzer Musiksommer, der nahtlos in die Reihe der Weihnachtskonzerte übergeht.

Von Liane Bornholdt

Altstadt. Die Messe à quatre voix op 4 für Soli, Chor und Orgel von Camille Saint-Saëns gehört im deutschen Raum zu den weitgehend unbekannten Kompositionen des französisehen Meisters, anders als zur Uraufführung 1856, als Friedrich Liszt, ein Förderer des Franzosen, sich begeistert über das Werk äußerte und seine Aufführung anregte.

Der Biederitzer Kantorei ist zu danken, dass sie jetzt, gesungen vom Kammerchor der Biederitzer Kantorei, in der Magdeburger Konzerthalle zu erleben war. Das Werk lebt vom ausgewogenen Wechsel von Orgel. Chor und Solostimmen. Diese Ausgewogenheit, sowohl in der Dynamik als auch in Intensität und Ausdruck, in der Tempogestaltung und Phrasierung ist allen Beteiligten sehr gut gelungen. Barry Jordan an der Orgel führte mit der haftvollen Introduktion im Kontrast zur zarten melodiösen Begleitung hin zum wunderbaren, fast schwebenden Kyrie. Die Solisten Kathrin Klemm, Sopran, Manja Raschka, Alt, Daniel Ewald, Tenor, und Stefan Gericke, Bass, sangen aus dem Chor heraus, alle vier mit schönem lyrischen Stimmklang. Beeindruckend, wie die Stimmungswechsel, etwa das Qui tollis nach dem jubelnden Gloria oder das intensive Crucifixus im Credo gelangen. Für diese sehr innige und wunderbar zarte wunderbar zarte Musik gab es in der sehr gut besuchten Konzerthalle sehr herzlichen Beifall.

Nach Puccinis Requiem, das er auf den Tod Verdis komponierte, erklangen Leonard Bernsteins Chichester Psalms in einer Fassung für Orgel. Chor; Altsolo, Schlagzeug und Harfe (Heiko Hoppe und Antje Kräupner). Die auf Hebräisch gesungenen Psalmen führen in eine ganz neue musikalische Welt. Bernstein hat sie unmittelbar nach seiner Beschäftigung mit der Zwölf-Ton-Technik 1965 komponiert. Mit ihrer sehr freien Tonalität, den genau kalkulierten Tempi und den komplizierten Verhältnissen der einzelnen Stimmen untereinander stellen die drei Sätze höchste Anforderungen. Die Biederitzer Kantorei konnte bis auf kleine Schwächen in den Männerstimmen diese Anforderungen erfüllen und ließ das Publikum eine spannende und wunderschöne Musik erleben.