Von Liane Bornholdt
Magdeburg. Zum ersten Mal nach seinem Tod erklang jetzt zur Eröffnung des Biederitzer Musiksommers eine Passionsmusik von Georg Philipp Telemann aus dem Jahr 1755.
Der Kantor der Heilandsgemeinde von Bonn/Bad Godesberg Hans Peter Glimpf hatte die Komposition in Leipzig gefunden. In Zusammenarbeit und mit Unterstützung des Magdeburger Zentrums für Telemannpflege und -forschung bereitete er das Notenmaterial zur Erstaufführung mit der befreundeten Biederitzer Kantorei vor.
Zu den Gästen der Aufführung am vergangenen Samstag in der Biederitzer evangelischen Kirche gehörten auch Schüler des Magdeburger Norbertus-Gymnasiums. Erstmalig haben Chor und Musiker ein großes Werk gemeinsam mit Schülern erarbeitet. Die Gymnasiasten hatten im Rahmen ihres Musik- und Religionsunterrichtes an Proben teilgenommen und gemeinsam mit den Musikern das Werk kennen gelernt.
Das Werk beginnt mit einem freudigen Chor (Das ist ein köstlich Ding) und einer sich anschließenden Aria im Wechsel von Chor und Jesus, in denen von dem Passionsgeschehen schon auf die Osterbotschaft verwiesen wird. Dieser Gedanke durchzieht das ganze Werk, in dem die Dramatik des Leidens Christi immer bereits mit einem hoffnungsvollen Ausdruck verbunden wird. Um so eindrucksvoller die Musikalische Darstellung der Affekte. Das Passionsgeschehen wird nicht nur an Hand des Bibeltextes dargestellt, sondern in vielgestaltigen Chören und den Arien allegorischer Figuren, der Treue, des Glaubens und der Andacht sowie zwei Jesus-Arien kommentiert und musikalisch vertieft.
Für die Aufführung hat die Biederitzer Kantorei unter der Leitung von Michael Scholl fünf hervorragende Solisten gewinnen können. Der Tenor Uwe Stickert sang den Evangelisten nicht nur mit hervorragender Artikulation, sondern auch mit reichem stimmlichen Ausdrucksvermögen, der die Evangelienerzählung sehr lebendig werden ließ. Die Partie des Jesus sang Jörg Schneider mit klarer, hell gefärbter Bass-Stimme, mit der er die in dieser Passion besonders emotional gestalteten Leiden und Ängste eindrucksvoll sang. Sehr berührend die Arie des Jesus am Kreuze (Da Todesschatten mich umgeben). Als zweiter Bass war Matthias Vieweg zu erleben, der neben den Einwürfen des Petrus und Pilatus auch die Arien der Treue zu singen hatte. Auch er sang ausgezeichnet, besonders gefühlvoll und mit einem warmen, weichen Timbre. Glaube und Andacht wurden von Susanne Gorzny und Friederike Holzhausen gesungen, zwei Sopranistinnen mit ganz verschiedenem, aber jede auf ihre Weise, berührendem Stimmklang. Alle Solisten ließen sich von den musikalischen einfällen Telemanns inspirieren und sangen ausgezeichnet und mit viel Gefühl.
Der Kammerchor der Biederitzer Kantorei hatte mit Chören, chorischen Einwürfen und zahlreichen Chorälen den größten Gesangspart zu bewältigen. Die Sängerinnen und Sänger waren ausgezeichnet vorbereitet, beherrschten selbst die kompliziert fugierten Chorsätze sehr sicher und sangen kultiviert und auch in schöner Homogenität. Einzig die Textartikulation und einige dynamische Nuancierung, könnten noch etwas verbessert werden.
Immer wieder überraschend bei jedem neu entdeckten Werk Telemanns sind die große Sorgfalt und der Einfallsreichtum der instrumentalen Begleitung.
In Biederitz spielte das Magdeburger Telemannconsort auf historischen Instrumenten. Mit schöner Plastizität, einem warmen und runden Klang und mit ausgezeichneter Präzision spielten die Musiker die vielgestaltigen Instrumentalfiguren.